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Dr. Christoph Hantermann

Aluminium trifft Kunstrattan: Wenn Verbund zum Recycling-Alptraum wird

Polyrattan Terrassenstühle und Tische am Römer Frankfurt für moderne Außengastronomie

Artikel 3 der Serie: Aluminium-Kunstrattan vs. PP-Stühle – wer ist wirklich nachhaltiger?

Zwei gute Materialien. Ein schlechtes Produkt.

Aluminium ist recyclebar. Das haben wir in Artikel 2 gelernt – mit Einschränkungen, aber grundsätzlich: ja. Und Polyethylen, das Material, aus dem Kunstrattan bzw. Polyrattan besteht, ist als Einzelmaterial ebenfalls recyclebar. Beide Materialien haben Kreislaufpotenzial. Beide können, richtig behandelt, wieder zu Rohstoffen werden.

Aber dann kommt die Idee, sie zu kombinieren.

Ein Aluminiumgestell. Umwickelt, verwebt, verknotet mit Kunstrattan aus Polyethylen. Genagelt, geschraubt, genietet. Das Ergebnis ist ein wetterfester Gartenstuhl, der gut aussieht, drei Jahre auf der Terrasse steht – und danach ein Problem ist. Nicht für den Käufer. Der bringt ihn zum Sperrmüll. Das Problem gehört dem System. Und dem System fehlt die Lösung.

Das ist das Thema dieses Artikels. Nicht die Materialien. Der Verbund.

Was ein Verbundwerkstoff ist – und warum er die Recyclingindustrie zur Verzweiflung bringt

Ein Verbundwerkstoff entsteht, wenn zwei oder mehr Materialien so fest miteinander verbunden werden, dass sie als Einheit funktionieren. Das Prinzip ist uralt und hat enorme Vorteile: Stahl in Beton macht Stahlbeton. Aluminium mit Kunststoff macht leichte, formstabile Profile. Glasfaser in Kunstharz macht Bootsrümpfe.

Das Problem beginnt, wenn das Produkt sein Lebensende erreicht. Was zusammengehört hat, muss getrennt werden – sortenrein, damit die Fraktionen recyclebar sind. Und genau das gelingt bei Verbundwerkstoffen kaum.[1]

Kreislaufwirtschaft-Fachleute nennen das einen der zentralen Schwachpunkte der heutigen Produktwelt. Die Trennung per Hand ist meist unmöglich, für spezielle Trennverfahren fehlt die Infrastruktur – und die Wirtschaftlichkeit. Bei Gartenmöbeln aus Aluminium und Kunstrattan trifft das mit besonderer Härte zu. Das Kunstrattan ist nicht einfach aufgelegt. Es ist eingearbeitet. Verflochten. Unter Spannung. Mit dem Gestell verbunden durch eine Technik, die auf Haltbarkeit beim Gebrauch – nicht auf Lösbarkeit bei der Entsorgung – ausgelegt ist.[1]

Die Reise des Möbels endet beim Sperrmüll

Man muss sich vorstellen, wo ein solches Möbel landet.

Drei bis fünf Jahre im Einsatz. Dann UV-Schäden: Das Kunstrattan vergilbt, wird spröde, reißt ein. Die Fäden lösen sich. Das Gestell ist noch stabil, aber das Geflecht ist kaputt – und der Austausch lohnt sich wirtschaftlich nicht, denn das Produkt war günstig und als Wegwerfware konzipiert.[2][3]

Der Weg führt zum Sperrmüll. Und in der deutschen Abfallwirtschaft gilt für Polyrattan-Gartenmöbel einheitlich: Sperrmüll – nicht Metallschrott, nicht Kunststoffrecycling. Beim Sperrmüll läuft die Sortieranlage. Dort werden grobe Fraktionen getrennt: Holz, Metall, Restmüll. Aber ein Stuhl mit fest verwebtem Aluminium und Polyethylen kann kein Sortierband der Welt in zwei sortenreine Materialien trennen. Er wandert in die Verbrennung – oder, in manchen Regionen, auf die Deponie.[4][5][6]

Das theoretische Recyclingpotenzial beider Materialien: ungenutzt. Der ökologische Wert: vernichtet.

Technik gibt es – aber sie löst das Möbelproblem nicht

Es gibt Verfahren, die Aluminium und Kunststoff trennen können. Das muss man fairerweise sagen.

Elektrostatische Abscheider nutzen die unterschiedliche elektrische Leitfähigkeit von Aluminium und Polyethylen. Das Material wird zerkleinert, dann durch ein Hochspannungsfeld geführt – die Fraktionen werden durch unterschiedliche Ladung mechanisch separiert. Das Verfahren funktioniert für Industrieabfälle aus der Produktion.[4]

Das Start-up Saperatec hat ein anderes Verfahren entwickelt: eine nass-mechanische Methode mit speziellen Trennflüssigkeiten, die sich zwischen die Schichten von Verbundmaterialien bahnen und sie „delaminieren“. Im Mai 2024 hat Saperatec sein erstes Werk in Dessau eröffnet – ein echter Meilenstein. Die Anlage verarbeitet Verbundverpackungen: Getränkekartons, Folienbeutel, Kaffeekapseln.[7][8][9]

Nicht Gartenmöbel!

Alle verfügbaren Trennverfahren für Aluminium-Kunststoff-Verbunde sind auf dünnschichtige Verpackungsmaterialien ausgelegt. Kein einziges ist für die dreidimensionale, handgeknüpfte Verbindung zwischen einem Aluminiumrohr und engmaschigem Kunstrattangeflecht konzipiert oder kommerziell verfügbar. Das Verfahren existiert noch nicht. Es ist nicht skaliert. Für Möbel ist es nicht vorgesehen.

Das Möbel ist das Problem – nicht das Material

Die Schwäche liegt nicht im Aluminium. Sie liegt nicht im Polyethylen. Sie liegt in der Entscheidung, beides zu kombinieren, ohne an das Ende zu denken.

Das nennen Ingenieure „Design for Recycling“ – oder dessen Abwesenheit. Recyclinggerechtes Design bedeutet: Ein Produkt wird so entwickelt, dass seine Materialien am Ende der Nutzungsdauer wieder sortenrein getrennt und dem Kreislauf zugeführt werden können. Monomaterialien – also Produkte aus einem einzigen Werkstoff – sind dabei klar im Vorteil.[10][11]

Pedrali Tatami Terrassenstühle in verschiedenen Farben auf grüner Alpenwiese mit Bergen im Hintergrund

Ein PP-Monoblocktuhl aus einem einzigen Spritzgussvorgang ist genau das: ein Monomaterial. Kein Kleber, kein Verbund, keine Beschichtung. Wer ihn am Ende entsorgt, hat ein sortenreines Kunststoffteil in der Hand.

Der Aluminium-Kunstrattan-Stuhl ist das Gegenteil. Er ist ein Multimaterialverbund mit mehreren Verbindungstechniken, verschiedenen Kunststofftypen in den Befestigungselementen, Schrauben und Nieten aus unterschiedlichen Metalllegierungen. Jede Verbindung ist eine Barriere im Recyclingprozess. Branchenfachleuten zufolge ist es bereits möglich, bei Verpackungen zu 90 Prozent von Mehrschichtmaterial auf Monomaterial umzusteigen, ohne an Qualität einzubüßen. In der Möbelbranche denkt kaum jemand so weit.[11]

Was der Käufer nicht sieht

Im Onlineshop sieht der Kunde einen Stuhl. Er sieht „Aluminium“ und denkt: Metall, solide, recyclebar. Er sieht „Polyrattan“ und denkt: natürlich, echt.

Er sieht nicht den Abbau von Bauxit in Guinea. Er sieht nicht den Kohlestrom in der chinesischen Schmelze. Er sieht nicht den Schweröltank des Containerschiffs. Und er sieht nicht, was am Ende passiert: Sperrmüllanmeldung, Sortieranlage, thermische Verwertung.

Das sind keine unvermeidlichen Schicksale. Sie sind das Ergebnis von Designentscheidungen – und von Informationslücken, die im Sinne des günstigsten Preises offengelassen werden.

Was die Konsequenz ist

Wer in der Hotellerie oder Gastronomie Außenmöbel kauft, kauft nicht für ein Jahr. Er kauft für fünf, zehn, fünfzehn Jahre. Die richtige Frage ist nicht: Was kostet der Stuhl? Die richtige Frage ist: Was kostet er über seinen gesamten Lebenszyklus – und was hinterlässt er am Ende?

Ein Monomaterial-PP-Stuhl aus europäischer Fertigung, mit Solarstrom produziert und aus recyceltem Kunststoff hergestellt, hat eine klare Antwort. Er kann am Ende eingeschmolzen werden. Er hat keinen tausende Kilometer langen Seeweg hinter sich. Er ist sortierbar, identifizierbar, recyclebar.[12][10]

Ein Aluminium-Kunstrattan-Verbundmöbel aus chinesischer Produktion hat diese Antwort nicht. Es hat die Frage nie gestellt.

Das ist der Kern des Recycling-Alptraums: nicht böser Wille, nicht Täuschung. Es ist unterlassenes Nachdenken – eingebaut in das Produkt, bevor es je die Fabrik verlassen hat.

Nächster Artikel der Serie: „Kunstrattan: Langlebig, aber was passiert am Ende der Nutzungsdauer?“

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