Shopansicht: Gast (Nettopreise)

author avatar
Dr. Christoph Hantermann

Made in China und Kohle: Was Möbel aus Asien wirklich kosten

China 58% Kohlestrom vs. Deutschland 60% erneuerbare Energien im Strommix 2024, gegenübergestellt in einer Grafik

Artikel 5 der Serie: Aluminium-Kunstrattan vs. PP-Stühle – wer ist wirklich nachhaltiger?

Dieser Artikel zieht die Klimafakten aus Artikeln 2–4 zu einem wirtschaftspolitischen Argument zusammen: Carbon Leakage, versteckte Kosten, CBAM – und das konkrete Gegenbeispiel der norditalienischen Hersteller von PP-Terrassenmöbel. 

Der günstige Preis hat einen Preis

Ein Gartenstuhl. 29 Euro. Versand kostenlos. Lieferzeit sieben Werktage. Made in China.

Wie ist das möglich?

Das ist keine rhetorische Frage. Die Antwort ist konkret. Was in diese Kalkulation nicht eingepreist ist, sind die externen Kosten. Die Kosten, die nicht beim Produzenten anfallen, sondern bei uns. Beim Klima. Bei der Umwelt. Bei kommenden Generationen.

Einer der größten dieser versteckten Posten heißt: Kohlestrom.

58 Prozent Kohle. Das ist kein Ausrutscher.

Im Jahr 2024 stammten knapp 58 Prozent der chinesischen Stromerzeugung aus Kohle. In Deutschland ist es genau umgekehrt: Rund 60 Prozent des Stroms kommen aus erneuerbaren Energien. Wer heute in China ein Werk betreibt, kauft Strom aus einer Infrastruktur, die zu mehr als der Hälfte auf verbrannter Kohle basiert.[1][2]

Das ist keine Übergangserscheinung. Im Jahr 2024 begann China mit dem Bau von 63 neuen Kohlekraftwerken mit einer Gesamtleistung von 94,5 Gigawatt – der höchste Wert seit 2015. Im ersten Halbjahr 2025 wurden neue Kohlekraftwerke mit 21 Gigawatt in Betrieb genommen – Spitzenwert für ein erstes Halbjahr seit 2016. Wer in China produziert, produziert mit diesem Strom. Es gibt keine Opt-out-Option. Das Netz liefert, was das Netz hat.[3][4][5]

Was das für einen Fabrikbetrieb bedeutet

Stellen wir uns konkret vor, was in einer chinesischen Möbelfabrik passiert, die Aluminium-Kunstrattan-Gartenstühle produziert.

Erstens: Das Aluminium kommt aus chinesischer Primärproduktion – mit einem CO₂-Fußabdruck von bis zu 20 kg CO₂ pro Kilogramm, erzeugt mit Kohlestrom. Zweitens: Das Kunstrattan aus Polyethylen wird extrudiert, gefärbt, geschnitten – ebenfalls mit Strom aus der Kohle. Drittens: Das Werk selbst – Beleuchtung, Klimatisierung, Kompressoren, Spritzlackierung – läuft mit demselben Strom.

Das Ergebnis ist ein Produkt, das mit jedem Produktionsschritt einen CO₂-Rucksack auflädt, bevor es überhaupt den Hallenboden verlässt. Noch bevor es auf einen Lastwagen geladen, zum Hafen gefahren und auf ein Containerschiff verladen wird. Der günstige Preis ist real. Der Klimapreis ist es auch – er wird nur nicht bezahlt.

Chinas Klimaversprechen und die Realität

Man muss fair sein. China investiert massiver in erneuerbare Energien als jeder andere Staat – 356 Gigawatt Solar- und Windkapazität wurden 2024 zugebaut. Aber gleichzeitig werden Kohlekraftwerke gebaut, die für 30 bis 40 Jahre laufen werden. Nach Stromausfällen infolge von Hitzewellen in den Jahren 2021 und 2022 verordnete Peking zusätzliche Kapazitäten – schnell gebaut, zuverlässig verfügbar. Kohle.[5][3]

Das bedeutet für den Importeur europäischer Möbel: Die günstigeren Preise kommen auch dadurch zustande, dass chinesische Hersteller keine CO₂-Kosten zahlen, die europäische Hersteller längst in ihre Kalkulation einpreisen müssen. In Europa kostet eine Tonne CO₂ im Emissionshandel zwischen 50 und 70 Euro. In China im Möbelsektor: nichts. Das nennt sich Carbon Leakage – die Emissionen wandern dorthin, wo sie nichts kosten.[6][7]

Der CO₂-Grenzausgleich: Antwort auf ein strukturelles Problem

Die Europäische Union hat erkannt, dass das eine Systemfrage ist. Seit dem 1. Januar 2026 erhebt die EU den Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM): eine CO₂-Abgabe auf energieintensive Importe wie Stahl, Aluminium, Zement. Wer in China mit Kohlestrom Aluminium herstellt und nach Europa exportiert, muss künftig für die dabei entstandenen Emissionen zahlen.[8]

Für Möbelhändler hat das Konsequenzen. Aluminium aus chinesischer Primärproduktion wird teurer werden, wenn die CBAM-Regelungen sukzessive ausgeweitet werden. Wer heute noch auf den günstigsten Einkaufspreis aus Asien setzt, kalkuliert riskant. Wer auf europäische PP-Stühle aus erneuerbarer Produktion setzt, sitzt auf der richtigen Seite dieser Entwicklung.[9]

PP-Stuhl HUG von Scab, zwei moderne Designstühle in hellgrau und oliv für Hotel, Restaurant und ObjektbereichDas Model HUG von SCAB Design

 

Für europäische Hersteller gilt das Gegenteil

Während ein Möbelwerk in der Provinz Guangdong mit Kohlestrom produziert, läuft Nardis Werk im Veneto mit Wasserkraft aus Südtirol. SCAB in der Lombardei hat eine dokumentierte Nachhaltigkeitspolitik. Pedrali in Bergamo arbeitet mit recyceltem PP und zertifiziertem Strom. Das sind keine Marketinggeschichten. Das sind Produktionsentscheidungen, die sich in der Ökobilanz direkt niederschlagen.[10][11][12]

Was auf dem Preisschild fehlt

29 Euro für einen Gartenstuhl aus China. Aber rechnen wir anders.

Ein Stuhl, der drei Jahre hält und dann auf dem Sperrmüll landet, kostet über 15 Jahre gerechnet 145 Euro – und produziert dabei fünf Mengen Produktions-, Transport- und Entsorgungsemissionen. Ein PP-Stuhl aus Italien, der 15 Jahre hält, kostet 60 Euro – einmal. Mit einem Bruchteil der Emissionen, ohne Seefrachtweg, mit geordnetem Recyclingsystem.

Das günstigste Produkt ist selten das billigste.

Günstiger Preis bedeutet nicht: kein Preis. Er bedeutet meistens: der Preis wird anderswo bezahlt. Im Klima. In den Böden Guineas. Im Ozean, wo das Containerschiff seine Abgase hinterlässt. In der Luft über Guangdong, wo die Kohlekraftwerke laufen.

Dieser Preis ist real. Er ist nur nicht auf dem Preisschild.

Nächster Artikel der Serie: „Nardi, SCAB, Pedrali: Wie Italiens PP-Hersteller mit Solarstrom produzieren

author avatar
Dr. Christoph Hantermann

Schreibe einen Kommentar

Das Logo zeigt einen stilisierten, kräftigen roten Buchstaben „H“, der aus zwei rechteckigen Blöcken besteht, die durch einen breiten, waagerechten Balken verbunden sind. Unter dem grafischen Symbol steht der Schriftzug „HANTERMANN.COM“ in Großbuchstaben, ebenfalls in Rot und modern gehaltener, geometrischer Schriftart. Das Logo repräsentiert die Marke „Hantermann – Der Hotelausstatter GmbH & Co. KG“, die gesetzlich geschützt und als registrierte Marke eingetragen ist. Das Design vermittelt Professionalität, Stabilität und einen klaren Wiedererkennungswert.

B2B Verkauf nur an gewerbliche Abnehmer i.S.d §14 BGB
Alle Preise sind netto zzgl. gesetzlicher MWSt. Preisirrtümer vorbehalten.

Newsletter
Melden Sie sich für unseren Newsletter an und erhalten Sie exklusive Angebote und Informationen zu Produktneuheiten.


Copyright © 2026 Hantermann – Der Hotelausstatter

Suche
×
Cookie Consent mit Real Cookie Banner